Preisträger Jugendkulturpreis 2018

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 – also vor nunmehr achtzig Jahren – brannten in ganz Deutschland Synagogen. Schaufenster von Geschäften jüdischer Inhaber, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Unmittelbar darauf wurden ca. 30.000 Juden in Konzentrationslager gebracht. Ziel war es „die Judenfrage“ zu lösen. Bis 1945 waren insgesamt ca. 6 Millionen Juden in den Konzentrationslagern „vernichtet“. Sie wurden in den Gaskammern ermordet und verbrannt, starben durch unmenschliche Arbeit, an Krankheit durch mangelnde Ernährung und Hygiene.
Auch heute werden in Deutschland wieder antisemitische Reden geführt. Menschen jüdischen Glaubens werden zunehmend in der  Öffentlichkeit angefeindet und mit antisemitischen Parolen bis hin zu körperlichen Angriffen konfrontiert. Rechtsradikale Menschen zeigen sich heute wieder auf der Straße. Unsagbares wird wieder sagbar. Menschenverachtung und Gewalt gegen Menschen, die anders sind, greifen um sich. Vielerorts wird ein Klima der Angst geschürt.
Nur wenn vergessen wird, welche Grausamkeiten von Menschen gegen Menschen verübt wurden, ist die Gefahr groß, dass sich
die Verbrechen von damals wiederholen. Dem müssen wir Einhalt gebieten!

 

Die Teilnehmer haben diese Thema unterschiedlich aufgearbeitet. Herausgekommen sind zwei erste Preise.

 

Selina Kunze und Lea Häbel - Bild: Vergangenheit/Gegenwart

Das Bild wurde von uns absichtlich in „zwei Hälften“ unterteilt, um den direkten Vergleich zwischen den Anfängen damals mit dem Synagogenbrand, und den Dingen der letzten Monate, wie etwa Chemnitz, der heutigen Zeit darzustellen. Wie wir alle wissen gibt es das Denken von damals auch heute noch und die Ereignisse in Chemnitz haben dies nur noch einmal unterstrichen.

Sieht man sich die Bildhälften genauer an, bemerkt man doch schnell, dass sie sich von der Grundaussage erschreckender Weise gar nicht so unähnlich sind. Es gibt jedoch einen wichtigen Unterschied, den es zu beachten gilt! Auf der linken Bildhälfte, welche die Vergangenheit darstellt, wird nämlich keinerlei Widerstand ersichtlich, denn auch in Wirklichkeit gab es diesen nur sehr verdeckt. In der rechten Bildhälfte, der heutigen Zeit, jedoch, sind die ersten Blüten des Widerstands gut zu erkennen. In etwa an den buntgeschmückten Häusern, den Graffitis an ihnen und dem gleichgeschlechtlichem, sich küssenden Paar im Fenster. Alles Dinge, welche gegen den Nationalsozialismus stehen und die man auch heute draußen sehen kann, wenn man nur genauer hinsieht.

Was die Stadt der rechten Bildhälfte angeht, haben wir uns jedoch auf keine Spezielle einigen wollen, schließlich kann eine solche Szene in jeder Stadt auftauchen, bei uns vor der Tür, in Dortmund, Köln oder eben anderen Städten.

 

Kulturwerkstatt32 - Film: Wir sind Wichtig

Wir sind wichtig

https://www.dropbox.com/s/d0ekxjj002177dy/Wir%20sind%20wichtig.mp4?dl=0

Der Kurs
Bei dem Kurs handelt es sich um eine inklusive Jugendschauspielgruppe der Kulturwerkstatt32, die in der Halle32 in Gummersbach ansässig ist.
In diesem Kurs befinden sich zurzeit neun Darsteller, davon haben sieben eine geistige und/ oder körperliche Behinderung. Das Alter der Teilnehmer liegt zwischen 11 und 23 Jahren. Die zwei Erwachsenen haben eine geistige Behinderung. Sie haben als Jugendliche in dem Kurs begonnen und sind geblieben.
Den Kurs gibt es seit der Gründung der Kulturwerkstatt im Jahre 2012. Zurzeit arbeiten wir an unserem sechsten Theaterstück. Bei allen Stücken wurden wir freundlicherweise von der Aktion Mensch unterstützt.

Das Werk
Für Menschen mit Behinderung ist rechtes Denken ebenso gefährlich wie für Menschen mit ausländischen Wurzeln. Deswegen war es mir sehr wichtig, den Darstellern politisches Wissen mit auf den Weg zu geben, so dass sie aktiv selbst eine Entscheidung treffen können.
Ihr Preis hat mir den nötigen Anstupser gegeben und wir haben uns dem Thema der Neonazis, des rechten Denkens und natürlich damit verbunden auch des Zweiten Weltkriegs auseinandergesetzt.
Die wichtigste Frage, die sich meine Darsteller stellten, war: Was wäre, wenn ich in dieser Zeit gelebt hätte? Was wäre mit mir passiert?
Zu Beginn dachten die Darsteller recht eindimensional: Wenn man früher einen Menschen mit Behinderung traf, wurde er sofort umgebracht. Doch so „einfach“ war es bei Weitem nicht. Es gab nicht nur gute und schlechte Menschen, es gab auch viele Menschen, die sich einfach nicht trauten, die Angst hatten, zu agieren, wie sie es vielleicht eigentlich gerne getan hätten. Es gab viele Themen zu dieser Zeit, die viele Menschen ahnten, vermutlich noch mehr wussten, aber niemand sprach darüber (Bsp.: Konzentrationslager).
Gemeinsam haben wir uns mit der Vielschichtigkeit des Themas auseinandergesetzt, haben das El-De-Haus in Köln besucht und verschiedene Lebensgeschichten aus dieser Zeit kennengelernt.
Danach haben wir dieses Video entwickelt. Enthalten ist in diesem auch, was die Darsteller „dazugelernt“ haben. Nun haben die Darsteller sich eine eigene Meinung gebildet, sie wissen, wie sie auf rechtes Denken reagieren möchten.
Eigentlich wollten wir in einer dem El-De-Haus ähnlichen Institution im oberbergischen Kreis drehen, doch leider war keine von ihnen rollstuhlgerecht, daher mussten wir nach Köln ausweichen. Aber dank Ihrer Ausschreibung und unserer damit verbundenen Arbeit gibt es nun im
Oberbergischen wieder weniger Menschen, die sich von Neonazis u.Ä. verleiten lassen können.